Rentenerhöhung - in der Sächsischen Zeitung vom 13. März 2012
Die Sächsische Zeitung meldet in Ihrer Ausgabe vom 13. März 2012
Im Osten bekommen Rentner 2,26 Prozent mehr, im Westen 2,18
Prozent.
Bei einer Monatsrente von 750 Euro
macht die Erhöhung im Westen
16,35 Euro mehr aus und im Osten 16,95 Euro.
Bei
dieser Meldung gibt es allerdings ein paar Ungenauigkeiten. Es wird der
Eindruck
erweckt,
im Osten bekämen vergleichbare Rentner eine höhere Erhöhung, als im Westen.
Man
kann nicht die Renten von 750 €, 1700 € und 1200 € vergleichen, sondern man
muss
diese
zunächst in Ost-/West umrechnen und Ost/West-Renten mit gleicher
Rentenpunktzahl
vergleichen.
Ein
Rentner, der im Westen 750 € Rente erhält, hat sich mit seinen Beiträgen 27,30
Rentenpunkte
erarbeitet. Ein Ostrentner mit denselben Rentenpunkten bekommt wegen der
niedrigeren
Rentenpunktwerte-Ost nur 665,30 Euro Rente.
Ein
Ostrentner, der ebenfalls 750 € Rente erhält, müsste sich 30,77 Rentenpunkte
erarbeitet
haben.
Das wären für einen Durchschnittsverdiener ziemlich genau drei Beitragsjahre
mehr,
als sein
West-Kollege. Bei 750 € Rente handelt es sich um einen Verdienst unterhalb des
Durchschnitts,
da müsste der Ostrentner sogar 4 bis 5 Jahre länger Beiträge zahlen, als ein
West-Rentner.
Somit ist die höhere Rentenanpassung gegenüber dem 750-Euro-
Westrentner
gerechtfertigt. Das ist aus der SZ-Meldung nicht erkennbar.
750
€ Westrente = Rentenwert-West * Rentenpunkte = 27,47 € * 27,30 Punkte
Im
Osten bekommt ein Rentner mit 27,30 Punkten
Ostrente = Rentenwert-Ost * Rentenpunkte =
24,37 € * 27,30 Punkte = 665,30 €
Das
sind die vergleichbaren Renten für gleiche Beitragsleistungen in die
Rentenkasse.
Nun
kommen die Erhöhungen
West:
750 € + 2,18 % = 750 + 16,35 € =766,35 € Rente ab 01.07.2012
Ost:
665,30 € + 2,26 % = 665,30 + 15,03 € = 680,33 € Rente ab 01.07.2012.
West-Ost-Differenz
alt = 84,70 € / West-Ost-Differenz neu = 86,02 €
Hier
ein ähnlicher Vergleich für einen Rentner mit 1700 Euro Rente.
1700
€ Westrente = Rentenwert-West * Rentenpunkte = 27,47 € * 61,88 Punkte
Im
Osten bekommt ein Rentner mit 61,88 Punkten
Ostrente = Rentenwert-Ost * Rentenpunkte =
24,37 € * 61,88 Punkte = 1508 €
Das
sind die vergleichbaren Renten für gleiche Beitragsleistungen in die
Rentenkasse.
Nun
kommen die Erhöhungen
West:
1700 € + 2,18 % = 1700 + 37,06 € = 1737,06 € Rente ab 01.07.2012
Ost:
1508 € + 2,26 % = 1508 + 34,08 € = 1542,08 € Rente ab 01.07.2012.
West-Ost-Differenz
alt = 192 € / West-Ost-Differenz neu = 194,98 €
Trotz
niedrigerem %-Satz-West bekommt der Westrentner ca. 3 € mehr Rentenerhöhung,
als
der
Ost-Rentner, das sind ca. 10 % des Erhöhungsbetrages. Diese Rentenanpassung ist
wieder
einmal eine negative Ost-West-Angleichung.
Auf
Seite 2 der SZ vom 13.03.2012 gibt es einen Kommentar zur Rentenerhöhung, der
mit
einem
Diagramm darzustellen versucht, dass die Ostrenten meistens stärker gestiegen
seien,
als die Westrenten.
Zunächst
der %-Vergleich von Herrn Peter Heimann aus Berlin, der eine angebliche
Bevorteilung
oder Gleichbehandlung der Ostrentner darstellt.




In der
folgenden Tabelle sind die Prozent-Zahlen und Euro-Beträge der jeweiligen
Rentenanpassungen
der Jahre 2000 bis 2012 für West und Ost dargestellt.
|
Jahr |
Westanpassung |
Ostanpassung |
||
|
Prozent |
Euro |
Prozent |
Euro |
|
|
2000 |
0,60 |
0,15 |
0,60 |
0,13 |
|
2001 |
1,91 |
0,48 |
2,11 |
0,45 |
|
2002 |
2,16 |
0,55 |
2,89 |
0,64 |
|
2003 |
1,04 |
0,27 |
1,19 |
0,27 |
|
2004 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
|
2005 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
|
2006 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
|
2007 |
0,54 |
0,14 |
0,54 |
0,12 |
|
2008 |
1,10 |
0,29 |
1,10 |
0,25 |
|
2009 |
2,41 |
0,64 |
3,38 |
0,79 |
|
2010 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
|
2011 |
0,99 |
0,27 |
0,99 |
0,24 |
|
2012 |
2,18 |
0,59 |
2,26 |
0,55 |
Die
jeweils höhere Rentenanpassung ist hervorgehoben. In den dreizehn Jahren in
dieser
Tabelle
gab es neun Jahre mit Rentenanpassungen. Davon wurde nur in zwei Jahren (2002
und
2009) die Ost-Rente stärker erhöht, als die Westrente. In den anderen sieben Jahren
war
die Erhöhung in Euro im Westen immer höher, als im Osten, trotz gleicher oder
kleinerer
%-Zahlen.
Auf diese Weise wird die Ost-West-Angleichung bei den Renten nie erreicht.
Auch
in diesem Kommentar wird dem Leser versucht darzulegen, dass in den Jahren 2000
bis
2012 viele der Rentenanpassungen im Osten günstiger als im Westen ausgefallen
sind.
Dazu
benutzt Herr Peter Heimann die %-Anpassungen.
Das
Problem dabei ist, diese %-Angaben beziehen sich auf jeweils andere Basiswerte.
Es
geht
um die Erhöhung der Werte für einen Rentenpunkt. Diese Rentenpunktwerte sind im
Osten
andere, als im Westen.
Für
das Jahr 2012 gilt
Rentenpunktwert-West
= 27,47 € + 2,18% = +0,59 €
Rentenpunktwert-Ost
= 24,37 € + 2,26% = +0,55 €
Dieses
Beispiel zeigt, dass man nicht die %-Werte vergleichen kann, sondern man muss
die
Erhöhungen
der Rentenpunktwerte West/Ost jeweils als Geldbetrag darstellen.
Diese
Tatsachen sind dem SZ-Autor Herrn Peter Heimann, Berlin, sicherlich bekannt. Er
hat
sie
aber geschickt in einem schönfärberischem Licht
dargestellt.
Mich
wundert nur, dass die Sächsische Zeitung, die nur regional in Dresden/Sachsen
für ihre
Leser
schreibt, sich dazu hergibt, derartige Volksverdummungsartikel zu
veröffentlichen. Ich
hätte
hier einen kritischen Bericht erwartet, der den Sachverhalt wahrheitsgemäß und
vollständig
darstellt. Das wäre die SZ ihren vielen Lesern im Rentenalter (Ost-Rentner)
schuldig.
Hartmut
Kresse
Dresden
Seit
2008 ein Ost-Rentner
17. März 2012