Prekariat    ----    verarmte Unterschicht
Prekariat ist schlicht und einfach zunehmende Arbeitslosigkeit mit ökonomischen, sozialen und psychischen Folgen
sowie einer steigenden sozia­len Angst, die (noch) Arbeitende ergreift (Wikipedia).
 Natürlich ist nichts anders gemeint als eine zunehmend verarmende Unterschicht, abgehängt von den wenigen,
die sich zunehmend an denen bereichern, denen sie Angst einjagen.
Es war wohlweislich die Friedrich-Ebert-Stiftung, die das Wort Unterschicht in ihrer Studie vermied.
Und Preka­riat klingt nun mal, vor allem weil es keiner versteht, viel versöhnlicher,
 so wie man statt von Krieg von »Interventionen« spricht, so wie Schlachten zu »Krisen-Reaktionseinsätzen« mutieren,
Armeen zu »Einheiten« werden, mörderische Angriffe zu »notwendigen Operationen« und zivile Kriegstote zu »Kollateralschäden«.
Man hat uns die Hoheit der Sprache gestohlen,
und die Medien sind willfährige Vasallen dieser unmenschlichen und abgrundtief häßlichen Sprache.
Nach Jon Pilger leben wir alle nicht in einem »Informationszeitalter«, sondern in einem »Medienzeitalter«.
Die Ideologie des neoliberalen Kapitalismus, wie er von den »Chicago Boys« Hayek und Friedman theoretisch entwickelt wurde,
wurde vor allem durch angepaßte Medien und Journalisten verbreitet und wie in einem totalitären System als »alternativlos« dargestellt.
Neue Technologien und riesige Medienkonzerne wie AOL-Time-Warner oder
Murdoch (oder hierzulande Springer und Bertelsmann) spielten dabei eine entscheidende Rolle.
Der von dieser Geldmacht erzwungene Journalismus führt zu einer systematischen Zerstörung von Geschichte,
zu einer Ausblendung nicht-konformer Nachrichten und Meinungen und zu einem Meinungsmonopol,
nicht anders als bei verstaatlichten Medien (Maria Mies: Krieg ohne Grenzen).

In einer kapitalistischen Hochleistungsgesellschaft, die Konkurrenz bzw. Leistung geradezu glorifiziert
 und mit Prämien, Gehaltszulagen oder Lohnsteigerungen prämiert,
scheint Armut funktional zu sein, weil sie nur das Pendant dessen verkörpert,
was die »Tüchtigeren und daher Erfolgreichen« in des Wortes doppelter Bedeutung »verdient« haben.
Armut ist mithin kein »Betriebsunfall«, vielmehr ein soziales Abfallprodukt der Marktwirtschaft.
Sie dient im neoliberalen »Umbau«-Projekt als ein höchst willkommenes Disziplinierungsinstrument,
während materieller Wohlstand und privater Reichtum ein geeignetes Lockmittel darstellen,
das die »Leistungsträger« zu besonderen Anstrengungen motivieren soll.

Aufgrund der US-Amerikanisierung der Wirtschaft, des Arbeitsmarktes und des Wohlfahrtsstaates
zeichnet sich hierzulande eine US-Amerikanisierung der Sozialstruktur ab.
 Einerseits reicht das Armutsrisiko bis in die Mittelschichten hinein,
was sich in der Überschuldung von Existenzgründern und Selbstständigen genauso manifestiert
wie in den prekären Lebenslagen jener Menschen, die keinen gesicherten Arbeitsplatz haben,
sondern fürchten müssen, praktisch über Nacht unter die Armutsschwelle zu sinken.
Andererseits weitet sich jener Sektor aus, in dem totale Perspektivlosigkeit,
Not und Verelendung die Lebenslagen der Menschen bestimmen.
 Die latente Armut, aber auch die evidente Armut von Obdachlosen und Bettlern hat
besonders in urbanen Zentren und Ostdeutschland
stark zugenommen.
Wie man heute seinen Luxus, motiviert durch ein verändertes gesellschaftliches Klima,
offener als früher zur Schau stellt, manifestiert sich auch die Armut deutlicher, weil sie breiter streut und tiefer reicht.