Betreff: Ihr Schreiben an Plusminus

Sehr geehrter Herr Kresse,

vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Wirtschaftsmagazin.Sie
beziehen sich in Ihrer Zuschrift auf den Beitrag " Ungerechte Rente "
vom 20.1.09.
Wir möchten im Folgenden  noch einmal erläutern, auf welcher  Basis
unsere  Beispiele zur Rentenanwartschaft von Arbeitnehmern in den neuen
und alten Bundesländern berechnet wurden. Sie bezweifeln die Richtigkeit
unserer Berechnungen, das müssen wir entschieden zurückweisen.
Grundlage ist das geltende Rentenrecht , zuletzt novelliert  am
1.1.1992, SGB VI, Sonderregelung für die neuen Bundesländer.
Die im Film gezeigten Berechnungen basieren auf authentischen
Erwerbsbiografien der  vorgestellten Arbeitnehmer ( nicht auf
statistischen Eckrentnern!!), alle Mitwirkenden haben uns ihre aktuellen
Renteninformationen der Deutschen Rentenversicherung zur Verfügung
gestellt, Plusminus hat  dann auf dieser Basis die jeweiligen
individuellen Rentenanwartschaften von  renommierten Rentenberatern
berechnen lassen ( Renteneintrittsalter angenommen: 67Jahre) . Dabei
kamen jeweils die unterschiedlichen  Rechenformeln  für Ost- und
Westdeutschland zum Einsatz.Wenn man, anders als Sie es machen, mit
authentischen Daten arbeitet, - und wir haben diesen Weg bewusst
gewählt, weil Erwerbsbiografien immer individuell sind,- dann fließen
Parameter in die Berechnung ein, die Sie mit Statistischen Eckdaten
natürlich nicht in Ihre Rechnung einfließen lassen. Bsp.13.
Monatsgehalt ( würde bei 2500,- ¤ Brutto mtl. das Jahreseinkommen
erhöhen, Gratifikationen, individuelle Beitragsjahre( unser Koch hat
bereits mit15 Jahren eine Lehre begonnen, war nie arbeitslos ), usw..
Bei Ihrer Rechnung ( nach den Tafeln der DT. Rentenversicherung) machen
Sie zudem den Fehler, dass Sie die Werte des Jahres 2007 einfach mal 40
bzw.50  Jahre nehmen. Sowohl der Hochwertungsfaktor als auch die
Rentenwerte werden ständig neu bestimmt. Somit ändern sich von Jahr zu
Jahr die Parameter für die Berechnung der Eckpunkte. Korrekt ist deshalb
auch nur, und so macht es die dt. Rentenversicherung auch, für jedes
Jahr die EPs zu ermitteln und sie dann einzeln zu addieren. Eine
Multiplikation eines Wertes mit der Anzahl der Beitragsjahre ist
rentenmathematisch falsch.
In puncto Bemessungsgrenzen Ost und West lassen Sie außer Acht, dass
mit dem Hochwertungsfaktor nicht nur ein virtueller Lohn Ost ermittelt
wird, sondern auch mathematisch so getan wird, als wenn für den höheren
Lohn Rentenbeiträge gezahlt worden wären.
Die Arbeitszeit war ausdrücklich nicht Thema des Beitrages.
Sie führen den ÖDL an , um auf die bestehenden UNterschiede in den
neuen und alten Bundesländern hinzuweisen. Für unser Bsp. galt der
Tarifvertrag ÖD Bund und der ist einheitlich gestaltet.  Wir sind der
Auffassung, dass pauschale Aussagen von Ihnen wie " Die Ostdeutschen
bekommen weniger Lohn, weniger Rente  oder " Sie gehen immer davon aus,
dass im Osten und Westen gleiche Einkommensverhältnisse sind" in der
Sache nicht weiterführen.Weil Sie in ihrer Pauschalität nicht
stimmen.Das wollten wir mit den Extrem_Lohn-Bsp. Fluglotse Ost und
Krankentransportfahrer West deutlich machen.
Aus Gründen des Datenschutzes können wir  die Unterlagen /Berechnungen
unserer Protagonisten nicht an Zuschauer versenden.

Die Sonderregelung  für die neuen Bundesländer mit  einen
Hochwertungsfaktor (in 2008 betrug dieser Faktor 1,1827), der  den
Lohnunterschied ausgleichen soll, hat mittlerweile eine sehr  große
Hebelwirkung mit der Folge, dass die Hochwertung der Ostlöhne inzwischen
stärker wiegt, als der niedrigere Rentenwert Ost. Das führt dazu, dass
man mit Rentenversicherungsbeiträgen  in den neuen Ländern einen höheren
Rentenanspruch erwirbt, als in den alten Ländern. Dies ist in
Fachkreisen unumstritten!  Und genau um diesen Effekt  geht es im Film.
( Nachzulesen auch im Sachverständigengutachten 2008 )
Aktuelle Vorschläge politischer Parteien, des  Sachverständigenrats (
Prof. Rürup ist dort Mitglied) und auch der Gewerkschaften, dahingehend
das Rentenrecht zu reformieren,liegen vor und sind für jedermann
zugänglich. Wie überholt unser derzeitiges Rentenrecht ist, ist also
vielen gesellschaftlich relevanten Gruppen bekannt. Dem breiten
Publikum, das zeigen die zahlreichen Zuschriften nach unserem Film, sind
die Details , die zur dargestellten Schieflage führen, indes kaum
bewusst.Wir bedauern im Nachhinein, dass wir beim Zuschauer zu viel
Vorkenntnisse vorausgesetzt haben .
Plusminus zeigt mit diesem Beitrag , dass  die Renteneinheit überfällig
ist. Niedrig- und Besserverdiener gibt es inzwischen in ganz
Deutschland, regionale Lohnunterschiede lassen sich im Jahr 2009 nicht
mehr nach Ost und West einteilen.
Zu Ihrer Kritik an den Rechenmodellen des Präsidenten der DT.
Rentenversicherung, Herrn DR. Rische, wenden Sie sich doch bitte an
Selbigen.
Zu IHrer Forderung einer Richtigstellung in der Sendung stellen wir
zusammenfassend fest:
Eine Richtigstellung ist aus o.g. Gründen inhaltlich  nicht geboten.
Wir bitten aber auch zu beachten, dass ein Richtigstellungsanspruch
überhaupt eine persönliche Betroffenheit erfordert. Ersichtlich fehlt
es hier an dieser Grundvoraussetzung.

Den Vorwurf der Volksverhetzung weisen wir als neben der Sache liegend
zurück.

Wir hoffen, dass  Sie unseren Ansatz nachvollziehen  können. Sicher,
man hätte es auch statistischer machen können, aber da wir unsere Themen
gern mit authentischen Personen erzählen , haben wir uns für die
Individuellen Rentenbsp. Ost und West entschieden.
Seien Sie gewiss, nach den vielen Hundert Zuschriften zu dieser
Sendung, werden wir auf den Punkt Verständlichkeit in Zukunft noch mehr
Augenmerk legen.

Bleiben Sie Plusminus treu!
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Elke,
HR, Redaktion Plusminus


Sabine Elke
[plusminus
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